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Musik liegt in der Churer Luft

ws. Die Singschule und die Musikschule, die ausserschulischen Institutionen für Musikerziehung in Chur, erfüllen wichtige Funktionen. Sie vermitteln Musik als unentbehrliches Kulturgut und wecken bereits bei Kindern ab dem Vorschulalter Freude und Genuss am Musizieren.

Der Schul- und Kirchenmusiker Lucius Juon stellte in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Frage nach den wahren Werten der Musik und der musikalischen Tätigkeit gegenüber. «Erziehung nicht zur Musik, sondern Erziehung durch die Musik», lautete sein pädagogisches Leitmotiv, das er

in der 1948 gegründeten «Singschule Chur» zu verwirklichen suchte. An diesem Grundsatz hat sich bis heute nichts geändert und gilt für die Sing- wie auch die Musikschule, die zusammen mit der Jugendmusik die Vereinigung für ausserschulische Musikerziehung in der Stadt Chur bilden. Die Notwendigkeit dafür ist in den letzten Jahrzehnten allerdings um eine Dimension grösser geworden. Heute rieselt oder dröhnt Musik aus allen Ecken und Enden auf die Menschen ein, aus Handys, Walkmans, Computern, TV, Radios, im Einkaufszentrum, beim Zahnarzt usw. Jeder Mensch wird

somit ständig von Musik begleitet, bewusst oder unbewusst, aktiv oder passiv, positiv oder negativ. «Die Allgegenwart der Musik in unserer heutigen Gesellschaft zeigt, wie stark unser Bedürfnis nach Musik ist», erklärt Jürg Kerle, seit 18 Jahren Singschulleiter. «Aber auch die Macht der Musik wird dort sichtbar, wo sie zu Manipulationszwecken eingesetzt oder gar zur Droge wird. In diesem Spannungsfeld ist heute Bildung gefragt.»

Diese zielt sowohl in der Sing- wie auch in der Musikschule nicht nur darauf hin, unentbehrliches Kulturgut umfassend zu vermitteln und die Freude und den Genuss an der Musik in differenziertem Hören und Musizieren zu wecken und zu entwickeln. Aktives Musizieren soll speziell als Lebensbereicherung und als Element der Freizeitgestaltung und somit kultureller Betätigung erfahren werden.

Singschule ab dem Vorschulalter

Unter dem Fachausdruck «Musikalische Früherziehung» bietet das Sonderangebot der Singschule bereits Kindern im Vorschulalter und deren Eltern die Möglichkeit, sich auf die Singschule vorzubereiten. Auf dieser ersten Bildungsstufe wird die Bewegungsfreude der Kinder mit Kinderliedern und Versen aufgenommen und ihre Sprachfertigkeit gefördert. Durch das erste Nachsingen von Melodien wird die in jedem Kind schlummernde Musikalität geweckt.

Der eigentliche Unterricht beginnt in der Elementarstufe mit der musikalischen Grundausbildung in der ersten und zweiten Klasse. In einer spielerischen Atmosphäre wird dem Kind ermöglicht, in Gruppen Musik zu erleben, sich spontan mit Tönen auszudrücken und mit dem Körper frei auf Musik zu reagieren. Sie werden auch erstmals mit Notenlesen konfrontiert und mit einer zeitgemässen Methode der Tonbenennung vertraut gemacht.

Ebenfalls in Singklassen findet der weiterführende Unterricht der Dritt- und Viertklässler statt. Sie eignen sich dabei ein elementares musiktheoretisches Wissen an. Die Arbeit an der Singstimme, dem ureigensten Instrument, gewinnt zunehmend an Bedeutung, was sich in Konzertliedern und Singspielen ausdrückt.

Ab dem 11./12. Schuljahr teilen sich Mädchen und Buben zu spezifischer Ausbildung in die Knaben- und Mädchenchöre, und bilden nach dem Stimmbruch der Knaben gemeinsam den Gemischten Chor. Zu den unvergesslichen Erlebnissen der SingschülerInnen jeder Altersstufe gehören die Konzertauftritte in der Adventszeit und im Frühjahr.

Eigentliche Höhepunkte sind die jährlichen Aufführungen bedeutender Werke der Musikkultur. Mit grossem Engagement wird bereits auf das «Konzert zum Muttertag» im kommenden Jahr hingearbeitet, wobei zu den Oberstufen-Singschülern auch der Elternchor und der Freie Chor integriert ist. Aufgeführt wird mit einer Beteiligung von rund 100 Mitwirkenden und in Zusammenarbeit mit der Singschule St. Gallen «Die Jahreszeiten» von J. Haydn. Auch dieses Konzert in der Martinskirche und in der Tonhalle St.Gallen wird mit Sicherheit ein Meilenstein in der Geschichte der Musikschule werden , wie zuvor schon beispielsweise «Carmina Burana», «die Zauberflöte» oder das «Paulus Oratorium». Vom diesjährigen Muttertagskonzert, «Messias» von G. F. Händel, ist kürzlich die in der Martinskirche entstandene Doppel-CD erschienen und erhältlich beim Sekretariat der Singschule: Süsswinkelgasse 5, Tel. 252 28 92. Hier können die Eltern auch Informationsmaterial und Anmeldeunterlagen für den Eintritt ihrer Kinder in die Singschule anfordern.

Weihnachtssingen und Weihnachtskonzert

Den Auftakt der Aufführungen in der Vorweihnachtszeit macht das traditionelle Weihnachtssingen am Samstag, den 9. Dezember, um 18.15 Uhr in der Martinskirche. «Weihnachten in verschiedenen Kulturen» lautet das diesjährige Thema. Es singen und musizieren alle ersten bis vierten Klassen, der Blockflötenchor sowie der Freie Chor/Elternchor.

Der Gemischte Chor, die Mädchenchöre I und II und der Knabenchor laden am Sonntag, den 10. Dezember, um 17.30 Uhr die Churer Bevölkerung zu ihrem grossen Weihnachtskonzert in die Martinskirche ein. «Die Weihnachtshistorie» von Heinrich Schütz wurde erstmals 1660 aufgeführt und stellt Weihnachten aus biblischer Sicht dar. Dieses anspruchsvolle und besinnliche Werk für Chor, Orchester und Solisten bildet den historischen Gegenpol zu der modernen Kantate von Steve Pogson «Mr. Scrooge». Diese wurde 1992 nach der literarisch bekannten Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens komponiert und wird zum ersten Mal in Graubünden aufgeführt.

Zwischen Cembalo und E-Gitarre

«Nichts kann zum Verständnis der Musik mehr beitragen, als sich hinzusetzen und selber Musik zu machen.» Diesem Aufruf von Leonhard Bernstein folgend, führt der Weg direkt zur Musikschule Chur, die 1919 gegründet wurde und deren Ursprünge im Männerchor Chur zu finden sind. 655 Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind gegenwärtig in der Musikschule eingeschrieben und belegen insgesamt 33 Fächer.

Neben der musikalischen Grundausbildung, die mehrheitlich von der Singschule abgedeckt wird, beinhaltet das Ausbildungsprogramm Instrumental- und Sologesangsunterricht, Ensembleunterricht und Ergänzungsfächer sowie musikalische Auftritte und Konzerte. Gleichzeitig steht den SchülerInnen eine breite Palette an Instrumentalfächern offen deren Bogen von Klavier über Geige, Oboe, Blechblasinstrumente, Harfe, Gitarre usw. bis zur ethnischen Percussion reicht. Das vielfältige Angebot zeigt, dass

die ursprünglich fast ausschliesslich der klassischen Musik verpflichteten Schule heute auch für andere Musikarten offen ist. «Wichtig ist die Qualität der Musik», erklärt Schulleiter Pierre A. Seifert, «nicht eine bestimmte Stilrichtung». So wurde die Fächerpalette in letzter Zeit auch auf den Jazz-, Rock- und Popbereich erweitert.

Mit diesem Angebot ist es die Aufgabe der Musikschule, die musikalischen Anlagen und Fähigkeiten der SchülerInnen zu entfalten und ihnen instrumentale und musikalische Kompetenz zu vermitteln. «Dadurch», so der Musikschulleiter, «sollen sie befähigt werden, später jene Musik zu spielen, die ihnen gefällt und zwischen guter und schlechter Musik unterscheiden zu können.» Die Musikerziehung hat aber auch Auswirkungen auf andere Lebensbereiche, wie die Persönlichkeitsbildung, das soziale Verhalten, die Konzentrations- und Gedächtnisfähigkeit und anderes mehr. Diese

sogenannte «Transfer»-Wirkung von Musikunterricht verleiht der Musikschularbeit eine zusätzliche sinnstiftende Dimension.

Auch für Wiedereinsteiger und Vorschulkinder

Rund ein Fünftel der Gesamtschülerzahl machen zur Zeit Erwachsene aus. Teils handelt es sich dabei um Personen, die in ihrer Jugendzeit ein Instrument gespielt haben, es irgendwann beiseite gelegt und nun wieder entdeckt haben. Unter den Erwachsenen sind aber auch Anfänger sowie «bestandene» Musikliebhaber vertreten, die unter Anleitung einer qualifizierten Fachperson lernen, ihr Können auffrischen.

Die Musikschule trägt dem Bedürfnis der erwachsenen Schüler nach einem flexiblen Unterrichtssystem besonders Rechnung, indem Anzahl, Dauer und Zeitpunkt der Lektionen selber bestimmt werden können. Grundsätzlich steht den Erwachsenen die ganze Fächerpalette sowie eine ganze Anzahl von Zusammenspielmöglichkeiten offen. Der Einstieg in die Musikschule ist bereits in jungem Alter möglich. In Ergänzung zum Singschulunterricht der 1. und 2. Primarklasse werden als Fächer der musikalischen Grundausbildung Rhythmik für Kinder im Vorschulalter und eine Rhythmusgruppe für Sieben- und Achtjährige angeboten. Auf dieser

Altersstufe steht nicht die Vermittlung von Wissen und technischen Fertigkeiten im Vordergrund. Die Kinder sollen vielmehr für die Musik im Allgemeinen sensibilisiert und zu weiterem Umgang mit ihr motiviert werden.

Ensemble-Schulung und Begabtenförderung

Ganz besondere Bedeutung ist im Ausbildungsprogramm der Musikschule Chur der Ensemble-Schulung beigemessen. Beim gemeinsamen Musizieren lernen die SchülerInnen aufeinander zu hören, aufeinander Rücksicht zu nehmen und gemeinsam etwas zu erleben – Werte, die in der heutigen Zeit immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Im Sinne der Vorbereitung auf ein Musikstudium schenkt man bei der Musikschule Chur aber der Begabtenförderung grosse Beachtung. Wenn auch die Zahl derer, welche die Musik zum Beruf wählen, relativ gering ist, so hat schon manche musikalische Karriere in der Musikschule Chur begonnen.

Am Anfang steht jedoch der Eintritt in die Musikschule Chur. Dieser ist jeweils auf Semesterbeginn (August und Februar) möglich. Anmeldungen für das Frühjahrssemester mit Beginn am 29. Januar 2001 müssen bis Ende Dezember 2000 an folgende Adresse erfolgen:

Musikschule Chur
Süsswinkelgasse 5, 7000 Chur
Tel. 252 81 04